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Delegiertenversammlung am 12. März 2019

IG Metall Ostoberfranken startet gut aufgestellt ins Jahr

12.03.2019 I Debatte um industriellen Wandel startet in den Betrieben. Zahl der betriebsangehörigen Mitglieder steigt auf knapp 7.000. Delegierte zum Gewerkschaftstag gewählt.

Die IG Metall Ostoberfranken ruft Unternehmen und Politik in der Region auf, den anstehenden industriellen Wandel durch mehr Mitsprache und soziale Sicherung der Beschäftigten zu flankieren.

„Viele Menschen sorgen sich um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft. Gleichzeitig fühlen sie sich von der Politik ignoriert. Wir müssen gemeinsam Lösungen für die Arbeitsplätze der Beschäftigten finden und sie stärker absichern. Dabei sollen die Beschäftigten und Betriebsräte mehr mitbestimmen können – über die Produkte an den Standorten, Investitionen und Innovationen“, sagte der 1. Bevollmächtigte Volker Seidel am Dienstag, 12. März 2019 bei der ersten Delegiertenversammlung der IG Metall Ostoberfranken in Himmelkron.

Die vierte industrielle Revolution werde die Arbeitswelt umwälzen. „Dieser industrielle Wandel kann die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen verbessern. Ein Schlüssel dafür wird sein, die Beschäftigten über die Veränderungen mitentscheiden zu lassen“, so Seidel. Verheerende Folgen kann der Wandel für die Beschäftigten haben, wenn es allein nach den Vorstellungen der Arbeitgeber gehe.

Der Wandel durch die Digitalisierung und die Mobilitätswende sollen nach den Vorstellungen der IG Metall sozial, ökologisch und demokratisch gestaltet werden. „Die Beschäftigten sollen an den Entscheidungsprozessen in ihren Betrieben teilhaben, sie sollen an der Gestaltung ihrer Arbeits- und Lebensverhältnisse beteiligt werden“, sagte Seidel weiter. „Es geht insgesamt darum, das Arbeiten in den Unternehmen zu demokratisieren. Das ist auch ein gesellschaftspolitischer Ansatz, um der Ohnmacht und Verdrossenheit der Menschen entgegenzuwirken und die Demokratie zu beleben.“

Neben mehr betrieblicher Mitbestimmung spricht sich Seidel auch für eine Ausweitung der Tarifbindung in Oberfranken aus.

„Wir brauchen wieder einen Diskurs darüber, wie gute Arbeit bei uns in Oberfranken definiert wird. Tarifbindung bedeutet für Beschäftigte bessere und sich tendenziell verbessernde Arbeitsbedingungen und für die Unternehmen einen fairen Wettbewerb nicht über die Entgelte der Beschäftigten, sondern über Effizienz und Innovation. Durch Tarifbindung steigt auch die Attraktivität für Fachkräfte und Hochqualifizierte, die wir brauchen. Nicht zuletzt setzen geregelte Tarifentgelte den Maßstab für gute Arbeit und soziale Sicherheit in unserer Region und sind damit auch Erfolgsfaktor für einen erfolgreichen Strukturwandel.“

Mehr soziale Sicherheit als Gegenpol zu Unsicherheiten
Die IG Metall erwartet durch die Digitalisierung große Produktivitätsfortschritte, die nicht allein als Profite in die Taschen der Unternehmen wandern dürfen. Seidel: „Sehr viele Arbeitsplätze drohen verloren zu gehen, prekäre Beschäftigung und Niedriglöhne könnten nochmal stark zunehmen. Wir brauchen mehr soziale Sicherheit als Gegenpol zu diesen Unsicherheiten und zur eingeforderten Flexibilität.“ Dazu zählt die IG Metall neben einer stärkeren Tarifbindung, neue Instrumente wie ein Transformations-Kurzarbeitergeld und einen längeren Bezug von Arbeitslosengeld I.

Positive Mitgliederentwicklung
Gestärkt wird die IG Metall in Ostoberfranken durch eine positive Mitgliederentwicklung. Anfang 2019 lag die Zahl der Betriebsangehörigen Mitglieder bei 6.941 (+ 219, + 3,3 %), das ist der dritte Anstieg in Folge. Gestiegen sind insbesondere die Mitgliederzahlen bei den Jugendlichen auf 943 (+ 34, + 3,7 %) und bei den Angestellten auf 991 (+ 43 + 4,5 %).

Seidel: „Die IG Metall Ostoberfranken wächst. Das hat sicher auch mit unseren starken Tarifabschlüssen und der Unterstützung bei der Wahl von Betriebsräten zu tun. Dadurch setzen wir mit den Beschäftigten gute Lohnerhöhungen und mehr Selbstbestimmung in den Betrieben – z. B. beim Thema Arbeitszeit durch.“

Tarifergebnis für Textil- und Bekleidungsbeschäftigte
Auch für die rund 100.000 Beschäftigten in der Textil,- und Bekleidungsindustrie – davon rund 20.000 in Bayern, hat die IG Metall einen Tarifabschluss durchsetzen können. „Die Aktionen und Warnstreiks auch in Oberfranken haben Wirkung gezeigt“, so der stellv. Geschäftsführer der IG Metall Ostoberfranken Stefan Winnerlein. „Zusammen mit unseren Mitgliedern in den Betrieben konnten wir so mehr Geld und eine bessere Altersteilzeit durchsetzen.“

Das Ergebnis sieht für die Monate Februar bis Juli 2019 für die Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 340 Euro vor. Die Auszubildenden erhalten für den Zeitraum 170 Euro. Ab dem 1. August 2019 steigen die Entgelte dann um 2,6 Prozent und ab dem 1. September 2020 nochmal um weiterer 2,3 Prozent. Die Auszubildenden profitieren von dem Tarifabschluss überproportional mit Erhöhungen der Ausbildungsvergütungen um jeweils 30 Euro. Darüber hinaus erhöht sich auch das tariflich abgesicherte Urlaubsgeld für die Kolleginnen und Kollegen in der Branche in 2019 um 2,6 Prozent und in 2020 um weitere 2,3 Prozent.
Außerdem konnte die im Tarifvertrag verankerte Altersteilzeitregelung durch den Tarifabschluss weiter verbessert werden. So steigt die Aufzahlung für die Kolleginnen und Kollegen die am Ende Ihres Erwerbslebens ihre Arbeitszeit reduzieren bis 2020 auf 600 Euro pro Monat.
Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten und endet am 31. Januar 2021.

Alle Mitglieder können sich einbringen
Für die künftige Ausrichtung der IG Metall wird 2019 ein wichtiges Jahr: Auf dem 24. ordentlichen Gewerkschaftstag schnürt die IG Metall ein Arbeitspaket für die nächsten vier Jahre. Die Mitglieder aus Ostoberfranken wählten in Himmelkron ihre Vertreter aus der Region für den bundesweiten Kongress. Im Oktober werden dann fast 500 gewählte Delegierte aus allen Geschäftsstellen bundesweit in Nürnberg gemeinsam eine Woche lang beraten und darüber beschließen.
Aus Ostoberfranken werden Sabrina Kühnlenz (JAV Vorsitzende bei Mann und Hummel Himmelkron), Suphi Gezer (Betriebsratsvorsitzender bei Druckguss Hof) und Stefan Winnerlein (2. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken) nach Nürnberg entsandt. Dort werden die drei Oberfranken die zentralen Handlungsfelder der Industriegewerkschaft wie z.B. Klimaschutz, Energie und Mobilitätswende, die Gestaltung der Arbeitszeit, Sicherheit und Perspektive für die junge Generation und solidarische Alterssicherung diskutieren. Für diese und andere Themen wird die IG Metall Lösungen erarbeiten und durchsetzen müssen.

Sabrina Kühnlenz dürfte eine der jüngsten Delegierten auf dem Gewerkschaftstag sein: „Ich habe Respekt vor der Aufgabe die auf mich zukommt. Ich freue mich aber auch über das mir entgegenbrachte Vertrauen der Delegiertenversammlung. In Nürnberg werde ich die Chance nutzen und mich vor Allem auch für die Interessen der jungen Generation einsetzen.“

Die Delegierten der IGM OOF zum IG Metall Gewerkschaftstag
Am 12. März 2019 wurden die Delegierten der IG Metall Ostoberfranken zum 24. Ordentlichen Gewerkschaftstag in Nürnberg gewählt. Auf unserem Bild (v.l.n.r.) Volker Seidel 1. Bevollmächtigter und die drei Delegierten Sabrina Kühnlenz, Suphi Gezer und Stefan Winnerlein.

Gut zu wissen:
Der 24. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall findet vom 6. bis 12. Oktober 2019 in Nürnberg statt. Es werden 485 Delegierte, darunter mind. 92 Frauen erwartet. Der Gewerkschaftstag ist das höchste beschließende Gremium der IG Metall. Ordentliche Gewerkschaftstage finden alle vier Jahre statt.