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Wir schauen nicht weg!

Wir stehen für ein solidarisches MITEINANDER FÜR MORGEN

05.12.2020 I Volker Seidel 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken bezieht zur virtuellen Delegiertenversammlung der IG Metall Ostoberfranken klar Position zu den Widerständen gegen Corona-Maßnahmen – „Es ist unser Ansporn, Probleme und Herausforderungen zu lösen, statt sich bequem an Verschwörungsmythen zu ergötzen.“
IG Metall Ostoberfranken - Foto: Schleicher

Die Delegierten der IG Metall Ostoberfranken haben bei der digitalen Delegiertenkonferenz am heutigen Donnerstag, 03.12.2020 ein deutliches Signal gesetzt: „Die Corona-Leugner-Bewegung passt nicht zur IG Metall. Es ist nicht unsere Art, Wissenschaft zu leugnen. Weder beim Klima, noch bei Corona, noch anderswo. Und es ist nicht unsere Angewohnheit, Egoismus auf Kosten anderer zu leben. Im Gegenteil: Die IG Metall ist eine Solidargemeinschaft. Die Gesundheit der Beschäftigten liegt uns als Betriebsräten und Vertrauensleuten der IG Metall am Herzen.“

Die Delegierten beschlossen gemeinsam die Entschliessung “Wir schauen nicht Weg!” die von Randolph Oechslein in Abstimmung mit Volker Seidel eingebracht wurde.

Wir schauen nicht weg!
Die Versammlungen von sogenannten „Querdenkern“ und „Corona-Skeptikern“ in Kulmbach und Hof im November 2020 sind für uns als Gewerkschafter Anlass zu großer Besorgnis. Kritik an Maßnahmen staatlicher Stellen gegen die Corona-Pandemie ist durchaus legitim, das Demonstrationsrecht und die Meinungsfreiheit gelten für alle. Angesichts beängstigend steigender Infektionszahlen ist es unverantwortlich, wenn dabei Verstöße gegen Mindestabstände und Maskenpflicht toleriert werden.
Wir übersehen ebenfalls nicht, das sich bei den zentralen Kundgebungen der „Querdenkerbewegung“ in Berlin und Leipzig zunehmend Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger und Faschisten tummeln. Wer auf diesen Kundgebungen zum „Sturm auf den Reichstag“ und zum „Sturz der Merkel-Diktatur“ aufruft, der hat nicht die Bekämpfung der Pandemie im Sinne.
Es ist beschämend, wenn sich Studentinnen auf sogenannten Querdenker-Demos mit Sophie Scholl vergleichen. Die Bezeichnung des Infektionsschutzgesetzes als „Ermächtigungsgesetz“ durch sogenannten „Querdenker“ ist kein „Ausrutscher“, sondern bewusster Tabubruch. Der Maßnahmenkatalog der Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie soll mit dem Staatsterror des Nazi-Regimes gegen politische Gegner gleichgesetzt werden. Das ist auch eine Verharmlosung der Nazidiktatur, der wir als Gewerkschafter entgegentreten.

Kundgebungen gegen die Corona-Politik mehren sich auch in unserer Region. Eine Distanzierung durch die Veranstalter von den skandalösen Vorgängen in Berlin oder Leipzig hat es weder in Kulmbach noch in Hof gegeben. Wir warnen davor, wegzuschauen, wenn das Recht auf Meinungsfreiheit bei diesen Kundgebungen durch Verschwörungsideologen, Reichsbürger und Faschisten missbraucht werden darf.

Virtuell stimmten Volker Seidel und Stefan Winnerlein die Delegierten aus den oberfränkischen Betrieben der Metall- und Elektro-, sowie der Textil- und Bekleidungsindustrie auf die kommenden Tarifrunden ein. Die Forderungen für beide Bereiche wurden von den ehrenamtlichen Mitgliedern in den Tarifkommissionen erstellt. Kernpunkte in der ME-Industrie sind eine Tariferhöhung im Volumen von 4 Prozent und die Bewältigung der Transformation durch die Möglichkeit Arbeit im Betrieb auf alle zu verteilen (Vier-Tage-Woche zur Beschäftigungssicherung). Der Schwerpunkt in Textil- und Bekleidung liegt bei einer Einkommenserhöhung um 4 Prozent (mind. aber 100 Euro) und der Verlängerung und Verbesserung der Altersteilzeitregelungen. Auch hier will die IG Metall Instrumente zur Beschäftungssicherung unter Einbeziehung der Einkommenserhöhung durchsetzen.

„Zukunft statt Entlassungen! Arbeitsplätze und Einkommen sichern, digitalen und ökologischen Wandel fair gestalten: Das wollen wir in den Betrieben und in der Tarifbewegung 2021 gemeinsam erreichen.“, betonte Volker Seidel.

„Wir wollen lieber Stunden ‚entlassen‘ statt Menschen und so das verbleibende Arbeitsvolumen gerechter verteilen, um Zukunft zu gestalten.“, brachte es Stefan Winnerlein auf den Punkt.

„Jetzt sind die Firmen in der Pflicht! Die Beschäftigten haben in diesem besonderen Jahr 2020 ihre Flexibilität und Leidenschaft bewiesen. Wo es (wieder) brummt, haben sie ihren gerechten Anteil an den Profiten verdient. Und wo es brodelt, sind die Unternehmen den Beschäftigten Zukunftsperspektiven schuldig.“, machte Wolfgang Kormann, Betriebsratsvorsitzender der KSB am Standort Pegnitz und Mitglied der bayerischen Verhandlungskommission der Metall- und Elektroindustrie deutlich.

Tina Schramm Vorsitzende der Vertrauensleute bei Mann+Hummel am Standort Himmelkron und Mitglied der bayerischen Tarifkommission der Textil- und Bekleidungsindustrie: „Applaus alleine reicht auch bei uns nicht! Deshalb setzten wir uns in diesen Tarifrunden für mehr Geld, sichere Beschäftigung und langfristige Konzepte ein.“

Foto: IG Metall Ostoberfranken

Die Moderation der 4. Delegiertenversammlung hat diesmal unser Ortsvorstandsmitglied Karina Richter übernommen. Volker Seidel, Stefan Winnerlein und Karina Richter wünschten am Schluss allen Teilnehmer*innen der virtuellen Delegiertenversammlung alles Gute für die kommenden Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.