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Die 7. Delegiertenversammlung der IG Metall Ostoberfranken diskutiert in Münchberg über Ausbildung.

IG Metall Jugendstudie Plan B

01.10.2021 I Die Corona Krise trifft die junge Generation im besonderen Maße: Bildungsbiographien werden unterbrochen, Perspektiven auf einen geregelten Einstieg in den Arbeitsmarkt sind ungewiss, Lebenspläne müssen umgeschmissen werden.

Die IG Metall Jugend hat sich das zum Anlass genommen, um eine große Umfrage zu starten. Darin wurde ermittelt welche Auswirkungen die Pandemie auf junge Menschen hat. Die Befragung von über 3.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 27 Jahren hat ergeben, dass sich seit der Pandemie vor Allem die psychische Gesundheit (61,1 %), die Beziehung zu Freund:innen (54,8 %) und die Kontrolle über das eigene Leben (52 %) verschlechtert haben. Aber auch für die körperliche Gesundheit gaben 39.9 % eine Verschlechterung an. Knapp 40 % der jungen Menschen sagten, dass sich ihre Zukunftspläne aufgrund der Pandemie teilweise oder ganz geändert haben. Hier muss das Bildungssystem seine Durchlässigkeit beweisen und Arbeitgeber:innen sowie Politik eine Kultur der „zweiten Chance“ etablieren.

Die Bundesweite Jugendstudie „Plan B“ wurde im Rahmen der 7. Delegiertenversammlung der IG Metall Ostoberfranken von der Bezirksjugendsekretärin Eva Wohlfahrt vorgestellt. Die Studie belegt, dass sich sowohl die psychische Gesundheit verschlechtert habe und persönlichen Beziehungen sehr gelitten haben.

Auch in der Ausbildung stehen viele vor enormen Belastungen: Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass sich die Ausbildungssituation in der Berufsschule verschlechtert habe, dabei wurde der Lernort Berufsschule schon zuvor eher negativ bewertet (vgl. Ausbildungsreport der DGB Jugend). Auch Berufsschullehrer:innen berichten immer wieder davon, wie schwierig es ist, die nötigen Inhalte zu vermitteln und dass viele ihrer Schüler:innen durch mangelnde Betreuung oder Ausstattung abgehängt würden.

Zudem ist die Situation im Betrieb enorm herausfordernd, da zum Beispiel kaum Kontakt zu den Kolleg:innen besteht. Viele machen sich Sorgen, ob ihr Berufsabschluss durch die aktuelle Ausbildungssituation auf dem Arbeitsmarkt weniger wert sein wird (64,3 %) oder denken, dass sich wegen der Pandemie ihre Chance auf Übernahme nach der Ausbildung verschlechtert hat (65,3 %).

Dual Studierende sehen das genauso. Die dual Studierenden in der beklagen nicht nur die Situation im Betrieb, sondern haben auch im hochschulischen Teil ihrer Ausbildung mit online Vorlesungen zu kämpfen, die es stark erschweren, die Inhalte nachzuvollziehen. Es fehlt das gemeinsame Lernen und Zusammenarbeiten.

Hinzu kommt erschwerend, dass sich für knapp der Hälfte der Befragten das Verhältnis von Arbeit und Freizeit zum Schlechteren verschoben hat: Durch Homeoffice und das selbständige Erarbeiten von Lerninhalten wird oft mehr Zeit für Aufgaben benötigt und der wichtige Ausgleich durch die Betätigung im Jugendverband oder Verein entfällt. Die Auswirkungen der Pandemie treffen junge Menschen hart – sowohl persönlich als auch beruflich.

Eva Wohlfahrt - Foto: Robin Schoepke
Eva Wohlfahrt - Foto: Robin Schoepke

Eva Wohlfahrt: „Es braucht in den Betrieben und Hochschulen gute Strukturen der Mitbestimmung, wie Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Betriebs- bzw. Personalräte und verfasste Studierendenschaften. Es braucht aber auch mehr Unterstützung der Politik durch gute Konzepte, welche die Brüche in Bildungsbiographien abfedern und gleichzeitig den gesundheitlich nötigen Ausgleich durch selbstbestimmtes Engagement in der Jugendarbeit und in Vereinen fördern. Jugendarbeit ist systemrelevant!“

Volker Seidel 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken bezieht zur Delegiertenversammlung der IG Metall Ostoberfranken klar Position zur Ausbildungssituation in Ostoberfranken: „Die Zukunft der Betriebe steht und fällt mit der Ausbildung junger Menschen. Wer jetzt an der Ausbildung spart, verpasst die Zukunft. Es ist ein Sparen an der falschen Stelle. Man kann auch nicht die Uhr stehen lassen, um Zeit zu sparen!“

Durch die Delegiertenversammlung führte Claudia Augustin, Mitglied des Ortsvortandes und stellv. Betriebsratsvorsitzende der KSB am Standort Pegnitz. "In schwierigen Zeiten waren es Betriebsräte und IG Metall, die in den Betrieben Vereinbarungen zur Sicherung der Ausbildung abgeschlossen haben. Wir haben uns immer gekümmert. Gewerkschafter sein ist wieder angesagt, wir merken es in den Aufnahmezahlen der jungen Menschen. Es wird honoriert, dass man sich kümmert!“ betonte Claudia Augustin.

Die Delegierten der IG Metall bezogen klare Position zur Bundestagswahl und den aktuellen Koalitionsverhandlungen und deren Bedeutung für die Region:
Volker Seidel sagte zu den knapp 60 Delegierten: „In einem wahrlich historischen Wahlergebnis hat die Union ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 eingefahren, während die Grünen ihr bestes Wahlergebnis erzielen konnten. Stärkste Partei mit knapp 26 % ist die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Olaf Scholz. Jetzt kommt es darauf an, rasch eine stabile progressive Regierung zu bilden. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein klares Votum für Veränderung abgegeben. Wir brauchen jetzt einen Aufbruch, um die Herausforderungen in diesem Land stemmen zu können. Deutschland braucht jetzt einen echten Wandel, hin zu mehr Klimaschutz und einer Transformation der Wirtschaft, die die Beschäftigten in den Mittelpunkt stellt. In dem vor uns liegenden Jahrzehnt muss unsere Arbeitswelt und Wirtschaft zukunftsfest gemacht werden, mit einer hohen Tarifbindung, einer starken Mitbestimmung und einem verlässlichen Sozialstaat. Wir brauchen Investitionen in die Zukunft unseres Landes, die gerecht finanziert werden. Die Menschen verlangen sichere Jobperspektiven, und die Aussicht auf eine verlässliche Rente. Nur so können wir Sicherheit im Wandel garantieren und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken.“